Brexit trifft britische Versicherer härter

Die deutsche Versicherungsbranche ist vom Brexit nur sehr gering betroffen. Nach Expertenmeinung wird höchstens ein Regulierungswettbewerb zu erwarten sein. Der britische Traditionsversicherer Lloyd´s sucht derweil eine Dependance in Brüssel.

Dennoch sind solche Verhandlungen kontraproduktiv. Es gilt jetzt, die Kräfte der EU zu bündeln.

Britische Neugründungen in Deutschland unwahrscheinlich

So zumindest Dr. Alexander Erdland, Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) anlässlich der Vorstellung einer Studie zur Bedeutung der Assekuranz für den Wirtschaftsstandort Deutschland in Köln. So scheint das größte Problem, dass durch den Brexit entsteht, dass enorme Kräfte absorbiert werden. Weitere Folgewirkungen für den deutschen Markt gebe es nicht. Die rund 460 GDV-Mitglieder würden den deutschen Markt zu über 90 Prozent abdecken, sodass keine Marktlücken oder sonstige attraktive Margen bestehen, so Erdland. Neugründungen britischer Gesellschaften in Deutschland wären deshalb unwahrscheinlich und nicht zu erwarten. Dies gelte allerdings nicht für den gesamteuropäischen Markt.

Lloyd´s-Neugründung in Brüssel ab 2019

Der britische Traditionsversicherer Lloyd´s of London kündigte hingegen die Gründung eines Versicherungs-Unternehmens im Hoheitsbereich der Europäischen Union an. Als Sitz ist Brüssel vorgesehen. Der Versicherer hebt in seiner Presseerklärung hervor, auch nach dem Brexit den europäischen Märkten verpflichtet zu sein. In Zukunft soll sichergestellt werden, dass dem europäischen Markt und seinen Kunden weiterhin der Zugang zu den Versicherungslösungen von Lloyd´s besteht. Bis zum Austritt Großbritanniens aus der EU bleibt der Inselstaat jedoch weiterhin vollwertiges Mitglied der Europäischen Gemeinschaft. Das Austrittsprozedere hat keinerlei Auswirkungen auf bestehende oder neue Policen. Geplant sei, dass der neue Lloyd´s-Versicherer ab 1. Januar 2019 von Brüssel aus Geschäfte zeichnet.

Kaum Wirkung auf deutsche Versicherer

Alexander Erdland räumte in Köln jedoch bereits ein, dass, „je nach Verhandlungsergebnis“, britische Versicherer durchaus bisherige Niederlassungen in der EU zu Tochtergesellschaften umfirmieren. Da jedoch nur etwa vier Prozent der gesamten Kapitalanlagen deutscher Versicherer in britischen Papieren stecken, ist auch dort die deutsche Assekuranz nur gering betroffen. Denn diese Kapitalanlagen sind festverzinslich und währungsgesichert. Auch Währungsschwankungen wären unerheblich. Aber wie auch immer das künftige Investmentbanking am Finanzplatz London aussehen wird – der Brexit hat nur indirekt Wirkung auf die Entwicklungen deutscher Versicherungen.

jphintze

... verfasst journalistische und literarische Stoffe, fotografiert und ist als Schauspieler/ Sprecher tätig. Geboren 1971 in Schleswig-Holstein, aufgewachsen und fest verwurzelt in Lübeck.

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