VERSICHERUNGEN

Assekuranz und Insurtechs

Bürgerversicherung, quo vadis?

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Berliner Novelle
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Während Bundeskanzlerin Angela Merkel mit ihren möglichen Koalitionspartner während einer Pressekonferenz betonte, die umstrittene „Bürgerversicherung“ nicht einzuführen, sieht SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach die Sache ganz anders: „Die Bürgerversicherung wird kommen!“, verkündete der SPD-Gesundheitsexperte in den Medien

 

Das Ende der privaten Krankenkassen sei lediglich eine „Frage der Zeit“.

Ein persönliches Anliegen

 

Was denn nun? Man sollte es persönlich sehen. Für Karl Lauterbachs Vision einer „Bürgerversicherung“ tauschte der 54-jährige einst eine gut dotierte Professorenstellung gegen die Stellung eines Berufspolitikers im nüchternen Berliner Politbetrieb. Schon bevor er 2013 zum stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion ernannt wurde, steckte er viel Herzblut in sein Projekt seiner Einheitskrankenkasse. Das Projekt ist nun während der Koalitionsverhandlungen zwischen den Parteien und Interessengruppen zerrieben worden.

Fragen und Fallstricke

 

Dabei ist es noch ein langer Weg zu einer paritätischen Beitragsfinanzierung in der gesetzlichen Krankenversicherung. Unklar ist beispielsweise immer noch das Thema der angemessenen Arzthonorare. Ein Fragezeichen, dass wohlweislich auf eine Kommission abgewälzt wurde. Diese Kommission hat jetzt bis 2019 Zeit, Vorschläge auszuarbeiten. Dabei ist allen Beteiligten bewusst, dass zwischen gerechter Honorierung der Ärzte und einer angemessenen Behandlung von Patienten ein äußerst schmaler Grad besteht.

 

Keine Öffnung für Beamte

 

Die Parität hingegen steht fest: Ab 1. Januar 2019 sollen wieder Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Beiträge zur GKV zu gleichen Teilen tragen. Der Zusatzbeitrag soll dabei nicht gestrichen, sondern ebenso zwischen beiden Gruppen aufgeteilt werden. Die ursprünglich von der SPD geforderte Öffnung der gesetzlichen Krankenkasse für Beamte ist dabei offenbar vom Tisch. Immerhin wurde an kleine Selbstständige gedacht. Die Bemessungsgrundlage für die Mindestkrankenversicherungsbeiträge wurde fast halbiert.

 

Lauterbach hofft auf Kommission

 

Karl Lauterbach will nun erst recht nicht aufgeben. Denn trotz Parität würden Privatversicherte bei der Terminvergabe in den Praxen der Fachärzte gesetzlich versicherte Patienten verdrängen. Und dazu, so Lauterbach in der WELT AM SONNTAG, könnten Privatversicherte im Alter die zum Teil sehr hohen Prämienerhöhungen nicht tragen. Lauterbach ist sich deshalb sicher, dass auch ein Gesundheitssystem unter Parität langfristig scheitern wird. Dabei könnte es durchaus sein, dass die eingesetzte Kommission tatsächlich eine gemeinsame Honorarordnung für PKV und GKV entwickelt, bei der dann die individuelle Versicherung des Patienten keine Rolle mehr spielen wird.

 

Reguliertes Ausbluten

 

Sollte dies funktionieren und sich die Kassen lediglich durch verschiedene Beitragshöhen unterscheiden, könnte der Wechsel von privaten zu gesetzlichen Krankenkassen beschleunigt werden. Wenn das PKV-System durch reguliertes Ausbluten überflüssig wird, würde Lauterbach doch Recht bekommen. Dann würde sich das paritätische System ohne weitere Eingriffe von selbst zu einer Art „Bürgerversicherung“ entwickeln.

Foto: CC-BY-PIXABAY/ phtorxp