Damon Albarn „Everyday Robots“


Die Oberflächlichkeit im Umgang mit Popmusik wird besonders dann deutlich, wenn sich der Konsument gar nicht oder nur ansatzweise mit den Lyrics der Künstler auseinandersetzen kann. Das ist meistens der Fall, wenn der Hörer bedeutend jünger ist als der Künstler.

Bei mir persönlich war dies überwiegend während der Pubertät der Fall. Die Dinge, von denen Lennon, Bryan Ferry oder Sting sang, waren mir zu dieser Zeit einfach zu unbekannt, um mich darin wieder zu finden – bis Blur kam. Und mit Blur kam Damon Albarn. Als fast Gleichaltriger wächst man „irgendwie“ gemeinsam auf, bemerkt und versteht plötzlich den unvermeidbaren „Bruch“ zwischen drängender Jugend und gelassenem Alter – ist dem Idol näher als die jüngeren Fans.

Everyday Robots,

beworben als Damon Albarns „erstes wirkliches Solo-Album“, scheint Langeweile anzukündigen – die übliche Routine. Und so sitzt Herr Albarn höchst selbst, gelangweilt, mit herunterhängendem Parka (Retro-Mod!) als Modell auf dem eigenen Cover. Geliefert wurden zwölf ziemlich interessante Elektronik-Songs, die wieder sehr angenehm überraschen. Sehr experimentell, dennoch eingängig, nicht anstrengend und sehr melodisch.

Die Gefahr liegt wieder darin, diese Songs nicht aus dem Kopf zu bekommen: Ein Mehrwert, über den der Käufer sicher nicht enttäuscht ist. Für ausgemachte Blur- und Gorilla-Fans, die härteren, punkartigen Tobak gewohnt sind, sicherlich eine Überraschung. Doch damit stehen sie nicht allein. Denn Damon Albarn ist ein Künstler, der sich gerne selbst zu überraschen scheint. Schon als Kind, das wurde durch ein Interview überliefert, war er sich stets darüber bewußt, sich nie sicher zu sein, was hinter der nächsten Ecke auf ihn wartet: „Damon, you´ll never know, what´s just around the Corner!“, gab ihm seine Mutter mit auf den Weg. Und sie hatte Recht: „…and she was absolutely right.“

Anspieltipps:

1. Everyday Robots: Nie zuvor in diesem Jahr war etwas so Beeindruckendes, Schönes, Großartiges zu hören gewesen. Die Zitate zu Beginn sind von Lord Buckley, einem anglo-amerikanischen Entertainer, der in England unvergessen, in den USA fast vergessen und im deutschen Sprachraum völlig unbekannt ist.

4. Mr. Tembo: Ein verspielter Song mit der drolligen Geschichte um einen putzigen, kleinen Elefanten. Leider geht es um keinen Affen, trotzdem könnte Damon Albarn auch der Mann mit dem gelben Hut sein.

7. You & Me: Brit Pop auf eine sehr eigenwillige, experimentelle aber trotzdem sehr ernsthafte Art. Albarn setzt sich in den Lyrics auf eine nicht unbedingt alltäglich Sicht mit seiner Drogensucht auseinander.

12. Heavy Seas of Love: Ein Ohrwurm mit Hit-Potential und großem Gospel-Chor, zu dem nichts weiter angemerkt werden sollte.

www.damonalbarnmusic.com

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jphintze

... verfasst journalistische und literarische Stoffe, fotografiert und ist als Schauspieler/ Sprecher tätig. Geboren 1971 in Schleswig-Holstein, aufgewachsen und fest verwurzelt in Lübeck.

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