WISSENSCHAFT

und Psychologie

Emotionen kontrollieren

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Berliner Novelle
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Wenn uns bestimmte Momente schief gehen, Gespräche aus dem Ruder laufen oder Entscheidungen übers Knie gebrochen werden, passiert dies häufig dann, wenn die eigenen Emotionen außer Kontrolle geraten.

 

Zum Erfolg gehört, die eigene Persönlichkeit regulieren zu können.

 

Ehrliche Offenheit – aber bitte kontrolliert

 

Das Problem ist nur, dass die Psyche uns drängt, auch unangenehme Gefühle zuzulassen und auszuleben. Was aber manchmal taktisch unklug ist. Wer beispielsweise weint, fühlt sich anschließend ruhiger und erleichtert – macht sich aber angreifbar. Gerade im Berufsleben wird erwartet, die persönlichen Emotionen unter Verschluss zu halten. Andere „Erwartungen“ bestehen aufgrund kultureller und gesellschaftlicher Zwänge. So wird erwartet, Stimmungen wie Trauer und Zorn nur äußerst sparsam auszuleben. Und wer sich ärgert und seine Wut ständig zeigt, gilt als Unsympath und kontraproduktiver Choleriker.

 

Aus Negativ wird Positiv

 

Es gibt allerdings Techniken, um auch unangenehme Emotionen kontrolliert umzuwandeln und positiv zu nutzen. Wichtig bei der sogenannten „Emotionsregulation“ ist dabei, bereits erste Anzeichen unangenehmer Gefühle keinesfalls zu verdrängen. Konstruktiver ist es, auch unangenehme Gefühle bewusst wahrzunehmen und zu versuchen, sich deren Gründe bewusst zu machen und diese zu hinterfragen. Es gilt, diese negativen Gefühle neu zu bewerten. Dabei kann es durchaus sein, auf eventuelle interessante oder sogar positive Aspekte dieser Emotionen zu entdecken. Das passiert immer dann, wenn aus der Neubewertung positive Erwartungen, Perspektiven und Einsichten entstehen.

 

Frust in Freude umwandeln

 

Manchmal reicht es bereits aus, in Enttäuschungen Alternativen zu entdecken. Zuerst sollte versucht werden zu analysieren, wann bestimmte Emotionen entstehen. Beispielsweise entsteht persönlicher Frust, nachdem Verabredungen, auf die sich gefreut wurden, kurzfristig abgesagt wurden. Der Frust stellt sich ein, da wir dieses Absagen als persönliche Affront einordnen. Bei näherer Betrachtung erinnern wir uns aber an eigene Situationen: Wenn wir nämlich selbst Verabredungen in letzter Minute absagen; wenn es eben nicht mehr anders geht, nichts verschoben werden konnte und wir diese unangenehme Absage erst deshalb in letzter Minute erledigen. Von einer persönlichen Zurückweisung kann also gar keine Rede sein; sonst wäre diese Verabredung ja überhaupt nicht erst getroffen worden.

 

Das Unterbewusstsein kontrolliert

 

Oder: Wir sind stolz, täglich nach Feierabend eine halbe Stunde zu joggen. Jedoch gefrustet und enttäuscht über uns selbst, jetzt im anbrechenden Herbst Tag für Tag „auszusetzen“. Es ist kalt, wird früher dunkel und ständig ist es nass. Die Frustration stellt sich durch die unsere Ahnung ein, diesen Jahreswechsel nur als persönliches „Alibi“ zu nehmen, unsere „Faulheit“ zu pflegen. Schließlich sind Outdoor-Aktivitäten zu dieser Zeit kein Vergnügen und die persönliche Bequemlichkeit drängt uns auf den Weg des geringsten Widerstandes. Eine Alternative könnte es sein, sich in den Wintermonaten eine Dauerkarte der nächsten Schwimmhalle zu besorgen – womit sich Faulheit und dunkle Jahreszeit, wie auch Feierabend-Frust und schlechtes Gewissen in Luft auflöst.

 

Aus Wut wird Energie

 

Ein großes emotionales Problem ist die Wut. Wut nährt sich aus verschiedenen Ursachen, eine der häufigsten liegen jedoch in Missverständnissen: Da wird der Kollege erneut gelobt und belohnt, obwohl wir doch (in unserer Selbstwahrnehmung) viel fleißiger arbeiten und sowieso über wesentlich größeren Durchblick verfügen. Anstatt aber jetzt die Leistungen des Kollegen zu analysieren und mit ihm darüber Sticheleien zu beginnen, seine Fachlichkeit zu relativieren und für die nächsten sieben Jahre schlechte Stimmung zu erzeugen, sollten wir unsere Wut analysieren und umwandeln. Vielleicht wird der Kollege ja auch nur gelobt, damit er motiviert wird, unser Niveau zu erreichen? Vielleicht befürchtet der Chef ja auch nur, uns mit geäußertem Lob zu beleidigen? Vielleicht besteht im Kern dieses Lobs ja auch ein persönliches, profanes Interesse? Eventuell handelt es sich ja auch überhaupt nicht um ein ehrliches Lob, sondern vielmehr um eine versteckte Kritik?

 

Vorsicht vor Verdrängung

 

Übrigens: Wut hat im Vergleich zu anderen Emotionen einen entscheidenden Vorteil. Wut gibt Kraft und Motivation, um uns intensiv und konzentriert Dingen zu widmen. Wichtig ist, uns dabei nicht in diese Wut hineinzusteigern, sondern die der Wut zugrunde liegenden Situation aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und neu zu bewerten. Wer allerdings dazu nicht in der Lage ist, sich häufig von Frust und gedrückter Stimmung gefangen wird und sich häufiger in Wut und Ärger hineinsteigert und negative Emotionen nur schwer verliert, ist gefährdet. Hier hilft ein Coaching von kompetenten Psychologen, die auf den Bereich der „Emotionsregulation“ spezialisiert sind. Nur Fachleute können erkennen, ob es sich dabei noch um „Trübsinn“ oder bereits um eine chronische Depression handelt. Denn eine Depression sollte grundsätzlich Ernst genommen werden.