Frankfurt unterliegt Paris

Enttäuschung in Frankfurt, Jubel in Paris: Die europäische Bankenaufsicht EBA zieht in die französische Hauptstadt und nicht, wie manche hofften, an den Main.

Auch die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) verschmäht Deutschland.

Niederlage trotz Standortvorteile

Paris setzte sich am Montagabend während des Brüsseler Auswahlverfahrens gegen ganze sieben europäische Mitbewerber durch. Frankfurt, immerhin Sitz der Europäischen Zentralbank EZB, verfügte über Standortvorteile und galt Branchenkennern als Favorit, schied jedoch nach entscheidender Stichwahl aus. Neben Frankfurt galten auch Wien und Dublin als chancenreiche Kandidaten.

Dezentrale EU-Finanzaufsicht

Arbeitsschwerpunkt der europäischen Bankenaufsicht als Bestandteil des europaweiten Systems zur Kontrolle des Finanzsektors ist die Schaffung und Kontrolle einheitlicher EU-Regeln aller Banken im europäischen Geltungsbereich. Die knapp 170 Mitarbeiter bewerten mögliche Risiken und Schwächen des gesamten Bankensektors in Europa und organisieren in Kooperation mit der Europäischen Zentralbank (EZB) sogenannte „Stress-Tests“. Außerdem überwacht die EBA die Anwendung von EU-Recht durch nationale Behörden.

Schuld ist der Brexit

Die Notwendigkeit für den Umzug von EU-Institutionen bestand nach der Brexit-Erklärung der britischen Regierung im vergangenen März. Alle EU-Behörden, die bisher in Großbritannien ansässig waren, müssen bis zum Vollzug des EU-Austritts 2019 einen neuen Standort im Bereich der Europäischen Union bezogen haben. Der bisherige Sitz der europäischen Bankenaufsicht befand sich im Londoner Geschäftsviertel Canary Wharf.

Auch Amsterdam profitiert

Auch der Sitz der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) musste verlegt werden. Hier zeichnete sich ein enges Rennen zwischen Mailand und Amsterdam ab, schließlich entschied das Los Amsterdam als europäischen Sitz der EMA. Da dieser Umzug sehr schnell realisiert werden muss, zog die EU eine geheime Wahl langwierigen Regierungsverhandlungen vor. Bonn schied als Sitz der EMA bereits im ersten Wahlgang aus. Die 1995 gegründete EMA überwacht alle Medikamente im europäischen Raum vor Marktzulassung, wobei für die Erstzulassungen Behörden der jeweiligen Mitgliedsstaaten verantwortlich sind. Die EMA, die auch die Pharmaforschung und -entwicklung unterstützt und wichtige Anlaufstelle für Vertreter der Arzneimittelindustrie ist, verfügt über rund 890 Mitarbeiter.

jphintze

... verfasst journalistische und literarische Stoffe, fotografiert und ist als Schauspieler/ Sprecher tätig. Geboren 1971 in Schleswig-Holstein, aufgewachsen und fest verwurzelt in Lübeck.

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