WISSENSCHAFT

und Psychologie

Führung heißt Kommunikation

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Berliner Novelle
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Wer über Verantwortung verfügt, ist in der Lage, viel Schaden zu verursachen. Destruktiv wird Arbeit, wenn der Schaden bewusst in Kauf genommen wird und aus destruktiver Motivation besteht. Doch die größten Schäden für ein Unternehmen lauern an anderer Stelle

 

Die größten Schäden entstehen nämlich dort, wo nichts getan wird.

 

Abwesende Führung ist Führungslosigkeit

 

Was jetzt widersprüchlich scheint, macht viel Sinn. Denn sogar Studien haben belegt, dass ein Chef, der mit einem sogenannten „Laissez-Faire„-Führungsstil eher durch Abwesenheit glänzt, Produktion, Belegschaft und Betrieb schadet und selbst messbare Defizite in der Produktion und beim Umsatz verantwortet. Obwohl in der Wahrnehmung immer derjenige die größten Schäden verursacht, der auch über die unangenehmste Persönlichkeit verfügt, penetrant mit Kollegen und Untergebenen umgeht oder ganz einfach am lautesten herumschreit – der „abwesende Führungsstil“ birgt langfristig die größte Gefahr, ein Unternehmen gegen die Wand zu fahren.

 

Falsche Toleranz kann töten

 

Denn abwesende Führungskräfte, mögen sie auch gänzlich auf Urlaub verzichten und körperlich täglich in ihrem Büro zu finden sein, bieten keinerlei Orientierung. Es kann sich dabei sogar um den nettesten und freundlichsten Menschen in der ganzen Firma handeln, der niemals auch nur eine Messerspitze Ärger provozierte: die Schäden, die dieser Chef verursacht, sind ungemein unauffällig, aber immens. Nach Meinung von Arbeitsforschern handelt es sich bei dieser Personengruppe um extrem vorsichtige und zögerliche Führungspersönlichkeiten. Personen, die mit diesen Eigenschaften kaum in der Menge auffallen und die dadurch automatisch jegliche Korrekturversuche umgehen. Was ein Gegensteuern jedoch schwieriger macht und den negativen Einfluss auf die Firmenorganisation verstärkt.

 

Mitarbeiter spiegeln Führung

 

Doch gibt es Indikatoren, solche gefährlichen Führungskräfte zu erkennen: nämlich die untergebenen Mitarbeiter. Wenn sich unmotivierte Mitarbeiter unzufrieden und frustriert über Job und Arbeitsplatz äußern, dabei aber keine persönlichen Indikatoren und auch keine strukturellen Managementprobleme erkennbar sind, könnte ein „abwesender Führungsstil“ der Vorgesetzten Grund dafür sein. Ein wichtiger Komplex, an dem die „Abwesenheit“ des Chefs zu erkennen ist, scheint der Mangel an Anerkennung und konstruktivem Feedback zu sein. Viele frustrierte Arbeitnehmer beklagen, dass ihre Vorgesetzten viel zu wenig Zeit für den direkten Dialog aufbringen.

 

Mehr Feedback!

 

Und unmotivierte Arbeitnehmer sind ein Erfolgsdefizit. Alleine in Deutschland kosten unmotivierte Mitarbeiter der Volkswirtschaft rund 105 Milliarden Euro jährlich, gemessen an Produktivität. 70 Prozent der zu einer Gallup-Studie befragten Arbeitnehmer beklagte einen Mangel an emotionaler Bindung zu ihrem Arbeitgeber; aufgrund fehlenden Feedbacks. Der Anteil der Arbeitnehmer, die sich mehr konstruktive Rückmeldungen von ihren Vorgesetzten wünschen würde, liegt bei etwa 40 Prozent – fast der Hälfte! Und in den kommenden Jahren wird eine Generation von Azubis heranwachsen, die wesentlich geltungsbedürftiger als ihre Elterngeneration ist.

 

Zur Führung gehört Talent und Kompetenz

 

Hauptgrund für derartige Führungskräfte, auch für diese Behauptung stehen Studien, ist die Schwierigkeit, gute Führungskräfte zu finden. Da es Unternehmen generell sehr schwerfällt, Führungsstärken zu identifizieren und zu werben, wird das Führungspersonal häufig aus dem Kreis kompetenter Mitarbeiter gewonnen. Gründe für solche Beförderungen sind meistens eine allgemeine Beliebtheit und gute Arbeitsergebnisse. Dennoch können gute Mitarbeiter nicht zwingend mit guten Chefs gleichgesetzt werden. Vielen fehlt schließlich die fachliche Kompetenz, Menschen zu führen. Und um dann seinen Mitarbeitern konstruktives Feedback zu geben, ist neben einer natürlichen Führungskompetenz auch ein gewisser Mut notwendig. Gerade „nette“ Menschen schrecken davor zurück, langjährige Kollegen plötzlich als Vorgesetzter zu kritisieren und Verhaltenskorrekturen zu fordern.

 

Hauptgrund für Kündigung

 

Hauptursache für einen „Burnout“ ist laut einer Gallup-Umfrage das Problem unklarer Aufgaben, mangelnder Kommunikation und der unzureichenden Unterstützung von Vorgesetzten. Fehlt der klare Führungsstil, steigt die Belastung der Mitarbeiter. Daraus resultiert Erschöpfung und Orientierungslosigkeit. Übrigens: Der häufigste Grund für Kündigungen ist ein schlechter Führungsstil.