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Wissenschaft

und Psychologie

Neue Jobs durch die Digitalisierung

Jede soziale und wirtschaftliche Revolution fordert ihre Opfer – hauptsächlich in Form von Arbeitsplätzen. Wenn jedoch von der Industrialisierung bis heute Bilanz gezogen wird, stellt sich leicht die Frage: Weshalb gibt es überhaupt noch so viel Arbeit?

 

Die Geschichte beweist jedoch, daß jede Innovation neue Tätigkeiten und viele Arbeitsplätze hervorbringt.

 

Geldautomaten waren auch keine Jobkiller

 

Eigentlich ein Widerspruch, denn der technische Fortschritt vernichtet schließlich aufgrund von technischer Produktivität menschliche Arbeit. Doch führende Wirtschaftswissenschaftler, wie Prof. David Autor vom Massachusetts Institute of Technology (MIT), sind sich sicher: Auch die Digitalisierung wird neue Arbeitsplätze geben. Ängste um Jobs gab es beispielsweise auch vor der Einführung des Geldautomaten, Ende der sechziger Jahre. Im ersten Jahrzehnt wurden Kündigungen rund eines Drittels aller Bankschalterbediensteten befürchtet, deren Tätigkeit mit den Automaten überflüssig würde. Dennoch haben die Banken die durch die Automaten gewonnene Effizienz dazu genutzt, weitere Filialen zu eröffnen und deshalb mehr Mitarbeiter zu benötigen. Deren Aufgaben beschränkten sich allerdings nicht mehr bloß auf Ein- und Auszahlungstätigkeiten, sondern wurden durch Beratung und Vertrieb wesentlich komplexer.

 

Digitalisierung benötigt starke Sozialpolitik

 

Demnach ist die Erwerbsquote nicht vom Automatisierungsgrad abhängig, sondern hängt stärker von sozialen und politischen Entscheidungen ab. So ist derzeit auf dem Arbeitsmarkt der USA trotz Digitalisierung zu beobachten, dass der Anteil mittelmäßig-bezahlter Arbeit zwar zurück geht, gering entlohnter Tätigkeiten jedoch stark, gut bezahlte Jobs sogar noch stärker zunimmt. Der Grund: Innovationen erfordern Bedürfnisse, die befriedigt werden müssen. Innovative neue Technologien und Möglichkeiten sorgen für eine Nachfrage nach Mitteln und Leistungen, die es vorher nicht gab. Und genau diese neuen Bedürfnisse führen langfristig dazu, dass neue Tätigkeitsfelder, sogar gänzlich neue Produktionslinien entstehen. Mit einer Nachfrage nach neuen Arbeitsplätzen.

 

Schildermaler wird heute SEO-Manager

 

In den zwanziger Jahren gab es beispielsweise noch den Beruf des Schildermalers. Diese künstlerisch-gewerbliche Tätigkeit produzierte Werbeschilder und Reklamebanner – eine Schlüsselfunktion der damaligen zeitgenössischen Werbeindustrie. Wenige Jahrzehnte später wurde dieser Beruf aufgrund modernerer Drucktechniken fast überflüssig. Dadurch entstanden jedoch neue Bedürfnisse und weitere Jobs in der Druckindustrie. Die mittlerweile durch die elektronische Reklametafeln erneut zurückgegangen sind. Durch die Digitalisierung wurden mittlerweile aber auch diese Reklametafeln durch LED-Bildschirme ausgetauscht – hätte sich aber der Schildermaler aus den zwanziger Jahren träumen lassen, heute Werbepräsentationen am Computer zu entwickeln? Oder hätte er damals von Jobs in der Suchmaschinenoptimierung nur ahnen können?

 

Qualifiziert mit der Digitalisierung wachsen

 

OECD-Forscher sind der Meinung, dass die Konsequenzen durch die Digitalisierung wesentlich geringer sind als angenommen. Die Forscher analysierten dabei die Berufsbilder aller aufschlüsselbarer Berufsgattungen sowie deren Zweige. So besteht für den Mechaniker einer kleinen Autowerkstatt natürlich ein wesentlich geringeres Automatisierungsrisiko als für seinen Kollegen am Fließband in einer Autofabrik. Es wurde dabei geprüft, welche Art von Arbeiten gänzlich Roboter übernehmen könnten und welche Tätigkeiten aufgrund besonderer Wahrnehmungen, komplexer Handgriffe und unstrukturierter Methoden als „technischer Engpass“ angesehen werden, der eine Automatisierung erschwert oder verzögert. So sollen lediglich 14 Prozent aller analysierter Berufe in den geprüften 32 untersuchten OECD-Mitgliedsstaaten von Automatisierung gefährdet sein. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass rund 66 Millionen Menschen einen Jobverlust durch zunehmende Digitalisierung befürchten müssen. Besonders gefährdet: Junge Leute und gering qualifizierte Berufstätige.