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REZENSIONEN

Musik, Film und Buch

Rezension; Buch: John Connolly – „Stan“

Komiker sind meistens gar nicht so. Buster Keaton soll ein komischer Kauz gewesen sein, Harold Lloyd war angeblicher ein ziemlich deprimierter Zeitgenosse und über Charlie Chaplin will ich mich an dieser Stelle erst überhaupt nicht auslassen.

 

Und mit Dick und Doof war doch auch irgendetwas …?

Leben in Erinnerungen

 

"STAN" von John Connolly

Buchcover; erschienen im Rowohlt Verlag

Ein alter Mann verschanzt sich vor der Welt. In einem Zimmer mit Blick in den Innenhof einer Appartementanlage zwischen Pacific Palisades und  Los Angeles, direkt am Pazifischen Ozean: Immer und immer wieder sieht er sich die Filme seiner Karriere an.
Die Filme mit seinem Partner.

Als erstes Komikerduo der jungen Filmgeschichte Hollywoods.

Als Laurel & Hardy; in Deutschland bereits zu dieser Zeit besser bekannt unter als „Dick und Doof“.

 

Von Anfang bis Ende

 

 

Glanzzeit eines Komikerduos

Das Komikerduo Stan Laurel und Oliver Hardy zu ihrer Glanzeit

Der biografische Roman von John Connolly konzentriert sich überwiegend auf den doofen Part des Duos, auf „Stan“, wie der prägnante Titel bereits verspricht.
Von „seinen Anfängen“ als junger Schauspieler und Komödiant in Großbritannien, als Lehrling bei Fred Karno in London.

Irgendwann Zweitbesetzung von Charlie Chaplin auf Tournee in den Vereinigten Staaten.

Schließlich Hollywood.

Bis zum bitteren Ende.

 

Babylon Hollywood

 

Connolly Werk fußt auf solider journalistischer Arbeit. Auf belegbaren Recherchen. So wird der Leser in die Anfangsjahre Hollywoods versetzt, trifft bekannte und weniger bekannte Gesichter und erfährt viel über die schicksalsträchtigen Beziehungen und Verknüpfungen im „Babylon Hollywood“.

 

„Babe und Er“

 

Stan Laurel

Stan Laurel, geboren 1890 in Großbritannien

Connolly verzichtet gänzlich darauf, Stan Laurel und Oliver Hardy beim unmittelbaren Namen zu nennen. Er, also Stan, ist in diesem Buch einfach „Er“ und Oliver Hardy wird durchgängig als „Babe“ bezeichnet, ein historisch überlieferte Kosename Hardys.

„Er“ ist übrigens auch der Titel des englischsprachigen Originals („He“), und man ertappt sich bei der Frage, weshalb der deutsche Übersetzer diesen Titel nicht übernehmen wollte.
Ansonsten stimmt aber alle: von den Namen sämtlicher Beteiligter über Filmtitel und Örtlichkeiten.
Der Leser hat praktisch die Möglichkeit, parallel zur Lektüre alles auf seinem Tablett via Wikipedia und Google Earth zu überprüfen.

 

Stück Filmgeschichte

 

Ein Sittengemälde mit Ehebruch, echten und unechten Hochzeiten, nervösen Produzenten und terrorisierende Ehefrauen. Ungewöhnlich, aber durchaus fesselnd geschrieben.
Der irische Schriftsteller John Connolly versteht sein Handwerk durchaus. Der Journalist, der bisher als Kriminalautor auffiel, lieferte mit seinem dritten „anderen“ Roman nicht nur die unterhaltsame Biografie einer historischen Filmikone, sondern schenkt den Lesern gleichzeitig auch ein wichtiges Dokument westlicher Filmgeschichte.