Sting – The Last Ship

Als ausgesprochener Fan musste man während der vergangenen Jahre mit Sting, tja, zumindest sehr viel Geduld aufbringen. Ein Best-Of-Album nach dem anderen – zumindest erschien es so. Aber das ist jetzt vergessen: Gordon Matthew Sumner, den die Älteren noch als Frontmann des Trios „The Police“ kannten, ist wieder zurück.

Und das, obwohl der Mann nicht aus wirtschaftlichen Gründen Musik macht, sondern aus Vergnügen und persönlicher Überzeugung – dann darf und kann man sich dabei natürlich auch Zeit lassen. Seine unverkennbare Stimme trägt die zwölf Songs seines neuen Albums The Last Ship, die gleichzeitig den Soundtrack seines gleichnamigen Bühnenstücks bilden. Präsentiert wird ein interessanter Zyklus an Songs über Stings Heimatstadt Newcastle-on-Tyne. Dort oben in England, an der Nordseeküste, wuchs der Künstler auf und wurde nachhaltig geprägt. Seine Jugend war überschattet von wirtschaftlicher Not und dem Niedergang der Werften während der siebziger Jahre (The Last Ship, Ballad of the Great Estern).

Sting verzichtet

dabei weitgehend auf politische Kritik, obwohl die Depression im „Thatcherismus“ der Achtziger Jahre seine Heimat leiden ließ. Der Meister erzählt in seinen Songs jedoch viel lieber sehr melancholisch über eine bunte Mischung zwischenmenschlicher und familiärer Beziehungen. Es sind fast schon poetische Songs, geprägt vom angelsächsischen Ursprung und großzügigen Prisen kräftiger Seefahrerromantik (What have we got, gemeinsam mit Jimmy Nail). Sting ist nicht nur Musiker und Sänger, sondern auch ein passabler Schauspieler. So macht es Freude zu erleben, mit welcher Intensität er sich in die Rollen legt, die ihm die Protagonisten seiner Lieder auferlegen (Language of Birds).

Sting macht keine Musik

für den Moment. Seine Alben sind, von der Police-Ära vielleicht abgesehen, keine zeitgemäßen Momentaufnahmen, sondern zeitlose Werke für die Ewigkeit. Trotz dieses Anspruchs gelingt diesem Künstler stets der Mittelweg zwischen Tiefgang und melodiöser Leichtigkeit (The Night The Pugilist Learned How To Dance). Ein Album, das sowohl für den Künstler, seinen Kollegen als auch für seine Hörer gelungen ist. Die Sache mit dem nicht-Geld-verdienen-müssen und sich-Zeit-lassen kann sich also lohnen – für Sting allemal.

Seine Fans können es ihm nur danken.

Sting: The Last Ship, Universal/ Interscope, September 2013

jphintze

... verfasst journalistische und literarische Stoffe, fotografiert und ist als Schauspieler/ Sprecher tätig. Geboren 1971 in Schleswig-Holstein, aufgewachsen und fest verwurzelt in Lübeck.

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