WISSENSCHAFT

und Psychologie

Was macht einen Menschen zum Anführer?

Entscheidungen treffen muss jeder Mensch im Laufe des Lebens. Der eine trifft diese Entscheidungen gerne und voll überzeugt, der andere eher zögerlich und würde lieber andere bestimmen lassen.

 

Die wenigsten Menschen treffen gerne Gruppenentscheidungen. Dabei ist die persönliche Entscheidungsbereitschaft wichtig für den gesellschaftlichen und beruflichen Aufstieg. Allerdings kann auch nicht jeder Indianer ein Häuptling sein. Schließlich macht es nicht nur für die Mitarbeiter, sondern auch für sämtliche Betriebsabläufe einen erheblichen Unterschied, ob die verantwortliche Führung von einer angelernten Hilfskraft oder aber einer hoch qualifizierten Fachkraft ausgeübt wird. Für eine Führung, die Betrieb und Mitarbeiter auch durch Krisen- und Erfolgszeiten führen kann, sind reife Persönlichkeiten gefragt.

 

Indianer brauchen Sicherheiten

 

Führungspersönlichkeiten machen nur wenige bis keine Unterschiede zwischen dem eigenem und einem geteilten Risiko. Die Konzentration der Anführer liegt nicht auf der Abwägung von Risiken und Sicherheiten, sondern einzig in Konzentration auf Aufgabe und Entscheidung. Anders ausgedrückt: Nicht geeignet für Führungspositionen sind Persönlichkeiten, die das Risiko scheuen und von Sicherheiten abhängig sind.

 

Häuptlinge geben Sicherheiten

 

Deshalb ist eine der wichtigsten persönlichen Voraussetzung für einen Anführer Selbstvertrauen. Selbstvertrauen vermittelt Sicherheit – Sicherheit, die die Gruppe braucht. Wer sich selbst vertraut, kann sich auf andere einstellen. Wichtig ist, dass es sich um wirkliches und nicht gespieltes Selbstvertrauen handelt. Alles andere ist Fassade und sorgt für Unsicherheit.

 

Big Five

 

Recruiter achten auf der Suche nach Führungspersönlichkeiten auf fünf Kernkompetenzen („Big Five“):

  1. 1. ein hoher persönlicher Grad an emotionaler Stabilität,
  2. 2. außerordentliche Extrovertiertheit (Kontaktfreudigkeit, Eigeninitiative und Kommunikationsfähigkeit),
  3. 3. Offenheit und Neugierde gegenüber neuen Erfahrungen,
  4. 4. Kooperation und Integration aller untergeordneten Mitarbeiter,
  5. 5. Die Fähigkeit, gewissenhaft und verbissen Aufgaben komplett zu erledigen.

Norwegische Arbeitsforscher wollen erkannt haben, dass durchschnittlich mehr Frauen als Männer über diese Kompetenzen verfügen. Allerdings neigen Frauen auch überdurchschnittlich dazu, an diesen Kompetenzen und besonders an ihrem Selbstbewusstsein zu zweifeln. Dennoch befinden sich in Norwegen wesentlich mehr Frauen in Führungspositionen, als in Deutschland.

 

Kompetenzen garantieren keinen Erfolg

 

Das Vorhandensein grundlegender Kompetenzen begünstigt, dass der Kandidat eine gute Führungskraft wird – garantiert tatsächlich aber keinen Erfolg. Nach Meinung von Arbeitswissenschaftlern und Psychologen gibt es kein Rezept, einen erfolgreichen Anführer zu finden. Wer über alle Grundvoraussetzungen einer guten Führungskraft verfügt, ist noch lange nicht erfolgreich. Erfolgreiche Führungskräfte zeichnen sich damit aus,

 

  1. 1. Entscheidungen absolut überzeugt und schnell auszuführen,
  2. 2. über ein Höchstmaß an Zuverlässigkeit zu verfügen,
  3. 3. wahre Meister im Netzwerken zu sein und
  4. 4. sich proaktiv und äußerst flexibel an sich verändernde Umstände anpassen zu können.

 

Erkennen und Fördern

 

Unternehmen haben deutliche Schwierigkeiten, Führungspersönlichkeiten zu erkennen und zu fördern. Viele Unternehmensberatern beklagen sich, dass es zwar in deutschen Unternehmen und Konzernen viele Führungskräfte gibt, darunter aber nur sehr wenige echte Führungspersönlichkeiten zu finden sind. Was ursächlich an dem Widerspruch liegt, dass wirkliche Führungspersönlichkeiten meistens über Ecken und Kanten verfügen und es deshalb eher schwer haben, in traditionellen Strukturen Karriere zu machen. Die bleibt oft denen vorbehalten, die als angepasste Systemagenten sich stromlinienförmig an der Karriereleiter nach oben hangeln. Ein Problem, was alle Ebenen eines Unternehmens betrifft.

Wichtig für die erfolgreiche Führung eines Unternehmens ist deshalb nicht nur das Recruiting kompetenter Mitarbeiter und Leitungsstrukturen. Der Aufbau vorhandener Führungskräfte sowie die Aufzucht von Nachwuchsführungen ist für jedes Unternehmen eine wichtige Zukunftsinvestition.

 

Foto: Ichio/ UNSPLASH