Wissenschaft

und Psychologie

Wie Mitarbeitergespräche zielführend funktionieren

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Berliner Novelle
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Mitarbeitergespräche gelten eher als schwierige Gespräche – sind aber wichtig und können nachhaltig produktiv wirken. Wenn die Gespräche gelingen und auf das wesentliche beschränkt werden

 

Zu zielführenden Mitarbeitergesprächen gehören Übungen und absolute Souveränität.

 

Vorsicht vor persönlichen Eitelkeiten

 

Mitarbeitergespräche werden häufig sehr persönlich genommen. Meistens geht es dabei ja auch um optimierbare Leistungs- oder Verhaltensaspekte. Entweder handelt es sich um betriebliche Vorgaben, die verbessert werden sollen oder um optimierbares Verhalten des Mitarbeiters. Doch nicht selten bleiben nur persönliche Eitelkeiten auf der Strecke. Der Überbringer unangenehmer Nachrichten gerät dabei zur Unperson.

 

Mitarbeitergespräche können zur inneren Kündigung führen

 

Nach einer Gallup-Studie leisten rund 85 Prozent aller Mitarbeiter nach verunglückten Mitarbeitergesprächen nur noch einen Dienst nach Vorschrift oder kündigen sogar innerlich. Für viele Führungskräfte und Personaler stellt sich deshalb die Frage, wie in einem Umfeld gegenseitigen Respekt der betriebliche Inhalt von der Beziehungsebene zu trennen ist. Der Schlüssel dorthin ist das Einhalten von Souveränität im Dialog mit dominanteren Persönlichkeiten. Wem dies gelingt, behält den Faden der Gesprächsführung auf Augenhöhe in der Hand.

 

Gesprächsinhalte gründlich visualisieren

 

Wichtig ist im Vorfeld eine gründliche Visualisierung des gewünschten Gesprächsverlaufs. Es muss vor Gesprächstermin feststehen, was dem Mitarbeiter inhaltlich vermittelt werden soll. Ein Mitarbeitergespräch spiegelt den Ist-Zustand eines Arbeitsverhältnisses und präsentiert den Soll-Zustand, der durch das Gespräch erreicht werden soll. Ähnlich einer Präsentation sollte der Mitarbeiter bis zur gewünschten Aufnahmebereitschaft „präpariert“ werden. Als Mitarbeiter besteht in der Regel eine gewisse Aufregung durch Unsicherheit, was in diesem Gespräch erwartet werden kann und muss. Der Gesprächspartner sollte also durch freundlichen Blickkontakt, nonverbale Körpersprache und über Nebensächlichkeiten zu einer optimalen Aufnahmefähigkeit geführt werden.

 

Psychologische Tricks sind erlaubt

 

Wenn das erreicht ist, kann der Weg zum Wesentlichen beschritten werden. Wichtig ist, die Person des Mitarbeiters weitestgehend von der zu übermittelnden Botschaft zu trennen. Ein profanes Mittel ist dabei, den Blickkontakt zu brechen. Hier könnte der Einsatz visualisierter Stützen, beispielsweise Unterlagen oder Notizen auf dem Flipchart, hilfreich sein. Psychologischer Nebeneffekt: Die schriftlichen Notizen werden plötzlich als Bote schlechter Nachrichten wahrgenommen.

 

Keinen Druck zulassen

 

Dadurch wird vereinfacht, zum Kern der Botschaft zu kommen. Kaum jemand empfindet es als angenehm, unangenehme Inhalte zu überbringen. Gerade deshalb sollte die Gesprächsführung darauf achten, seine Botschaft in kurzen Sätzen zu vermitteln und diese ruhig und langsam auszusprechen. Wichtig ist es auch, zwischen den Sätzen Pausen einzubauen – das erhöht die Souveränität. Um diese Sicherheit zu bekommen, muss absolute Klarheit über den Inhalt des Gespräches bestehen. Wer unter Druck gerät, neigt dazu, abzuschweifen.

Das optimale Mitarbeitergespräch kann nur nach Übung und gründlicher, individueller Vorbereitung realisiert werden. Jeder, der regelmäßig derartige Personalgespräche führt, sollte also dafür trainieren. So gelingt es auch, in anderen Situationen unter Druck souverän zu bleiben.

Foto: PIXABAY/ pasja1000