Der Charakter lässt sich immer optimieren

Der Charakter lässt sich immer optimieren

Eine Legende besagt, dass die Persönlichkeitsentwicklung meistens bereits mit Vollendung des 30. Lebensjahres als abgeschlossen gilt. Neue Erkenntnisse von Psychologen zeigen, dass dies, wie die meisten Legenden, nicht stimmt: Der Charakter kann sich bis ins hohe Alter radikal verändern.

Die meisten interessieren sich allerdings für die Frage, “wie” genau wir uns erkennen und verändern können.

Weisheit ist rar

Vorab: Im Alter weise werden nur die wenigsten. Denn zur Weisheit bedarf es einer umfangreichen Lebenserfahrung, die trotz eines immer höheren Durchschnittsalters nur die wenigsten Menschen erlangen. Denn in fortgeschrittenen Jahren verdrängt die Routine des Alltags und das Bewusstsein, Dinge zu verstehen und einzuordnen, eine natürliche Offenheit für neue Erfahrungen und auch die Fähigkeiten, sich auf fremde Dinge einzulassen. Die Psychologieprofessorin Jule Specht, die im vergangenen Jahr das Buch “Charakterfrage. Wer wir sind und wie wir uns verändern” veröffentlicht hat, ist deshalb davon überzeugt, dass Weisheit eher selten ist.

Veränderungen nicht immer Positiv

Allerdings ist Specht der Meinung, dass sich die Persönlichkeit des Menschen grundsätzlich auch im Alter so stark verändern kann, wie zuvor bereits in den Jahren als Teenager. Das im Alter zunehmende Gefühl der routinierten Stabilität durch Erfahrung ist hingegen ein Irrglaube, eine “Einbildung” – die Persönlichkeitsentwicklung ist demnach niemals vollendet. So haben Studien belegt, dass sich etwa jeder Fünfte nach dem 60. Geburtstag stark verändert. Allerdings sind diese Veränderungen sehr individuell und müssen nicht zwangsläufig positive Veränderungen sein.

Alte stets sehr individuell

Tatsächlich werden viele “Alte” mit zunehmenden Lebensjahren wesentlich “verträglicher” als zuvor. Es kommt mit älteren Semestern weniger zu Streit, sie werden oft nachsichtiger und hilfsbereiter. Durch den Wegfall beruflicher Routinen als “Rentner” und neuen Rollen als positive Bezugsperson für Enkel und auch Kindern gibt es in ihrem Leben auch erhebliche Veränderungen, die zu neuen Anpassungen und Umdenken führen. Aber, darauf weist Jule Specht in ihrem Buch besonders hin, sind gerade im höheren Alter Persönlichkeitsveränderungen sehr individuell.

Studien in diesem Bereich sind rar

Die Annahme der Persönlichkeitspsychologen Paul Costa und Robert McCrae, dass die menschliche Persönlichkeit mit etwa 30 Jahren komplett entwickelt ist, scheint angegriffen, wenn nicht sogar widerlegt. In diesem Bereich waren Studien und Erhebungen allerdings bisher auch selten. Psychologische Studien werden überwiegend an jüngeren Menschen durchgeführt, die den Wissenschaftlern im universitären Bereich natürlich leichter zur Verfügung stehen, als Senioren.

„Wir“ haben nur wenig Einfluss

Die Frage, wie stark und in welcher Form wir selbst unsere eigene Persönlichkeit formen und verändern können, wird dabei schwieriger beantwortet. Specht geht davon aus, dass mindestens 30 bis 50 Prozent der menschlichen Persönlichkeitsunterschiede genetisch bedingt sind. Ein weiterer großer Teil der Persönlichkeit wird von der Umwelt und der dem Menschen umgebene Gesellschaft geformt. Deshalb werden von uns auch Situationen und Lebensräume bevorzugt, die unserer Persönlichkeit entsprechen.

Beruf prägt stärker als der eigene Nachwuchs

So wundert es nicht, dass der Beruf einen Menschen wesentlich stärker prägt, als die Geburt des eigenen Kindes. Mit dem Eintritt in einen Beruf und mit der damit oft eingenommenen “Rolle” wird durch uns selbst die eigene Persönlichkeit angepasst und geformt. Für uns ist schließlich sowohl wirtschaftlich als auch sozial sehr wichtig, die Rolle des Berufes bewältigen zu können. Die Anforderungen, die dieser Beruf an uns stellt, prägt uns andererseits mindestens genauso stark. Die Tätigkeiten im Beruf “erziehen” und trainieren uns; wir werden geduldiger, aufmerksamer, offener oder auch vertraulicher, ruhiger, konzentrierter.

Geschlechtsunterschiede vorhanden

Die Psychologin hat aber auch herausgefunden, dass es in diesem Bereich natürliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt. So gelten Männer im Durchschnitt für emotional wesentlich stabiler, Frauen neigen eher zur Sicherheit und genaueren Planung. Diese Unterschiede werden durch die Entwicklungen in der Pubertät geprägt. Auch in diesem Bereich kann nicht ausgeschlossen werden, dass für diese Geschlechterunterschiede eventuell gesellschaftliche Rollenmodelle und Geschlechterklischees verantwortlich sind.

 

FOTO: © Miguel Bruna – unsplash.com

 

 


2 Kommentare

  • Spirou Posted 25. März 2019 22:00

    Der Charackter von Verbrecherin ist Jauch ein kranker Charakter.

  • Sim Tailor Posted 21. März 2019 13:37

    Ich denke nicht, dass sich der CHaragter optimieren lässt. Sonst würde es ja keine Verbrecher geben.

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