Gerechtigkeit ist nachhaltig

Gerechtigkeit ist nachhaltig

Das Stress am Arbeitsplatz ein Sicherheits- und Gesundheitsrisiko ist, dürfte bekannt sein. Dass aber fortlaufende Ungerechtigkeit im Beruf signifikant das Risiko koronaler Herzerkrankungen erhöht, ist weniger bekannt, nun aber ausführlich durch eine Langzeitstudie dokumentiert. Im Umkehrschluss: Fühlen sich Mitarbeiter an ihrem Arbeitsplatz gerecht behandelt und bezahlt, besteht ein wesentlich geringeres Risiko, in späteren Lebensjahren an Erkrankungen des Herzens zu sterben.

Langzeitstudie von 1985 bis 1999

Wissenschaftler des Finnischen Instituts für Arbeitsmedizin haben für diese Studie die Daten von rund 6500 Männern ausgewertet. Dabei handelte es sich um Londoner Büroangestellte aus etwa zwanzig Kundendienstabteilungen. Die Studie unterteilte sich in jeweils drei Phasen, von 1985 bis 1989, von 1989 bis 1990 sowie von 1990 bis 1999. Dabei mussten die Teilnehmer verschiedene Fragen zur Fairness am Arbeitsplatz angeben.

Gerechtigkeit führt zu weniger Herzerkrankungen

Anschließend, nach Auswertung dieser Fragen, wurden die Studienteilnehmer jeweils ihrer Auswertung in drei Gruppen aufgeteilt. Dabei ging es insbesondere um das Verhältnis der Angestellten zu ihrem vorgesetzten Chef. Bereits dabei stellte sich heraus, dass Testpersonen, die ihre Vorgesetzten als überwiegend gerecht empfanden, seltener an Herzbeschwerden litten, als Kollegen, die ihren Chef als weniger gerecht wahrnahmen.

Sonstige Faktoren ignoriert

Während der dritten, finalen Phase zwischen 1990 und 1999 wurden untersucht, wie häufig sich die Herzbeschwerden betroffener Teilnehmer zu koronalen Herzerkrankungen entwickelten. Dabei wurde festgestellt, daß zufriedene Teilnehmer, die ihr Arbeitsklima als gerecht empfanden, ganze dreißig Prozent seltener am Herzen erkrankten, als andere Teilnehmer, die lediglich ein geringes bis mittleres Maß an Gerechtigkeit am Arbeitsplatz wahrnahmen. Allerdings sind übliche Risikofaktoren für Herzerkrankungen, wie etwa das individuelle Alter der Probanden, deren eventuelles Übergewicht und Alkoholkonsum, nicht in das Studienergebnis eingeflossen. Auch auf Einflüsse psychosozialer Faktoren wurde verzichtet.

Mehr Gerechtigkeit = weniger Stress

Allerdings haben bereits ältere Studien einen Zusammenhang zwischen Gerechtigkeitsempfinden und Gesundheit nachweisen können. So hat eine andere Studie nachgewiesen, dass Mitarbeiter einer Firma, die sich zeitweise ungerecht behandelt fühlten, in diesen Perioden einen messbar höheren Blutdruck nachwiesen. Deshalb wird vermutet, dass mehr empfundene Gerechtigkeit auch für weniger chronischen Stress sorgt. Gerechtigkeit hat also durchaus auch viel mit Nachhaltigkeit zu tun.        

Foto: © Rachel Walker – unsplash.com


Beitrag kommentieren

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet*

DanishEnglishFrenchGerman