BaFin klärt über Provisionsentwicklungen auf

Mehr als fünf Milliarden Euro zahlten 2018 deutsche Lebensversicherer an ihre Vermittler. Den größten Anteil nehmen dabei die Abschlussprovisionen in Höhe von rund 4,1 Milliarden ein.

Laut Versicherungsaufsicht haben dabei die sofortigen Zahlungen zugenommen. Aufgeschobene Zahlungen fielen dabei zurück.

Interessante Verschiebungen

Insgesamt haben die deutschen Lebensversicherer 2018 rund 5,1 Milliarden Euro an die Vermittlerschaft ausgezahlt. 2017 lag dieser Anteil bei etwa 4,7 Milliarden. In Relation zu den Beitragssummen im Neugeschäft entsprechen diese Zahlen einem Anteil von 4,72 Prozent.

Umsetzung der IDD-Richtlinien

Diese Ergebnisse resultieren aus einer Abfrage der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), die bereits zum zweiten Mal durchgeführt wurde. Hintergrund ist die Umsetzung der IDD-Richtlinien in Bezug auf das Lebensversicherungs-Neugeschäft. Dabei wurde das Zahlenmaterial nach Abschlussprovisionen sowie weitere Zahlungen, beispielsweise Leistungen für Bestandspflege und -verwaltung, aufgeschlüsselt.

Provisionen angestiegen

Die Abschlussprovisionen sind somit rund 20 Prozent angestiegen, die weiteren Zahlungen um etwa rund 50 Prozent. Den durchschnittlichen Provisionssatz beziffert die BaFin nunmehr auf 3,82 Prozent; im Vergleich zu 3,77 Prozent in 2017.

Erhebliche Veränderungen

Die BaFin unterteilt die Vermittlungsvergütungen in sofortige und aufgeschobene Zahlungen. 2018 haben die sofortigen Provisionen um etwa 3,2 Milliarden zugenommen (ca. ein Siebtel). Gleichzeitig sind die aufgeschobenen Zahlungen auf eine Milliarde Euro gesunken (etwa ein Zehntel).

Auch Riester/ Rürup

Im Lebensversicherungs-Neugeschäft ist der Großteil der Beitragssumme zu den kapitalbildenden Versicherungsprodukten gewandert. Dazu gehören nach BaFin-Definition auch Direktversicherungen im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge und Altersversorgung; also sowohl Riester- als auch Rürup-Renten.

Keine sachgerechten Differenzierungen

Fachleute erwarten, dass diese Zahlen neue Verhandlungsbasis der Bundesregierung zum geplanten Provisionsdeckel in der Lebensversicherung darstellen. Kritiker haben bereits zu denken gegeben, dass diese aktuellen Zahlen keine Grundlage für eine Forderung nach einem Provisionsdeckel ergeben dürften. So hält Martin Klein, geschäftsführender Vorstand des Votum Verbands Unabhängiger Finanzdienstleistungs-Unternehmen in Europa e.V., im Versicherungsjournal die BaFin-Interpretation auf Basis der mitgeteilten Eckdaten für “seriös nicht möglich”. Die BaFin würde allgemein von “Provisionszahlungen an Versicherungsvermittler” ausgehen. Auf eine sachgerechte Differenzierung der Provisionen nach Vertriebswegen wurde verzichtet.

Schließlich hätte die BaFin nicht berücksichtigt, dass Vermittler auch noch nach Storno späterer Jahre bereits empfangene Vergütungen zurückzahlen müssen. Dabei haben manche Versicherungen ihre Haftungszeiten mittlerweile auf zehn Jahre ausgedehnt.

Folgendes könnte vielleicht auch interessant sein

1 Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.