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Warum die Welt immer besser wird – und wir es einfach nur nicht merken

Die Menschheit scheint wieder überzeugt davon, dass alles immer schlechter wird. Manche Zeitgenossen scheinen sich sogar im Pessimismus besser zu fühlen, einige zelebrieren förmlich ihre Weltuntergangsstimmung.

Dabei haben die Unrecht. Und Psychologen wissen auch, warum das so ist.

Aufklärung ist der Schlüssel

Viele Wissenschaftler kommen vielmehr zu dem Schluss, dass die Welt immer besser wird. Professor Steven Pinker, der einen Psychologie-Lehrstuhl an der renommierten Harvard-Universität in Cambridge (Massachusetts, USA), fiel dieser Widerspruch auf. Um seinen Optimismus zu beweisen, sammelte und analysierte er enorme Datenmengen. Das Ergebnis seiner Forschung hat er in einem dicken Buch zusammengefasst (“Aufklärung jetzt”, S.Fischer Verlag).

Pessimismus als Pragmatismus unserer Zeit

Der unkritische und stets unter Zeitdruck stehende Medienkonsument muss ja schon förmlich davon ausgehen, dass die Welt nur noch von Hass, Unvernunft und Populismus regiert wird. Und manchmal denken auch alle anderen, dass sich eine Gesellschaft voller Kulturpessimisten nur noch auf den finalen Untergang vorbereitet. Schon aus Gründen pragmatischer Vernunft. Eine intellektuelle Wissenschaftsfeindlichkeit auf der einen Seite, die Flucht in religiösem Fanatismus auf der anderen Seite.

Doch die Welt wurde besser

Steven Pinker hält dies jedoch für die Konsequenz oberflächlicher Eindrücke, die tatsächlich vom Gegenteil ablenkt. Er hat die gesellschaftlichen, historischen, ökonomischen und wissenschaftlichen Entwicklungen der vergangenen Jahrhunderte gründlich untersucht und ist zu dem Schluss gekommen, dass das allgemeine und individuelle Leben viel besser den je geworden ist. Seit der Aufklärung und der westlichen Entwicklung eines humanen Wertesystems sind beständigere, sicherere, friedlichere und wohlhabendere Rahmenbedingungen des Lebens entstanden.

Es wurde nicht alles, aber vieles besser!

Wir verfügen über wissenschaftliche und gesellschaftspolitische Werkzeuge, um gemeinschaftliche Probleme unter Wahrung eines gerechten und vernunftsphilosophischen Konsens zu lösen. Pinker liefert für seine Thesen auch maßgebliche Argumente. So lässt sich nicht widerlegen, dass die Welt unserer Tage mindestens hundertmal reicher ist, als vor zwei Jahrhunderten ist. Und obwohl es auch heute noch auf der Welt viel Armut und Ungerechtigkeit besteht, ist dieser Reichtum heute wesentlich gerechter verteilt. Kriege sind seltener geworden, die Zahl ihrer Toten nimmt ab. Diktaturen und feudale Herrscher werden weniger, freiheitliche Demokratien nehmen auf der Welt hingegen zu.

Bad-News sells

Obwohl der Terrorismus in Europa zu einer ernsten Bedrohung ist und 2016 etwa 238 Menschen terroristischen Taten zum Opfer gefallen sind, war es vor kurzen noch viel schlimmer: 1985 verzeichnete der internationale Terrorismus in Mitteleuropa etwa 440 Tote. Auch die Entwicklung der Kriminalitätsstatistiken sollte eher für Gelassenheit sorgen, selbst Flugzeugabstürze wurden weniger. Über das, was passiert, wird allerdings global und lokal erheblich stärker berichtet.

Medienkompetenz zählt

Aber nicht jeder ist in der Lage und verfügt über Disziplin und die notwendigen kognitiven Fähigkeiten, Medienstimmungen an Zahlen- und Faktenhintergründe zu prüfen und rational einzuschätzen. Wesentlich leichter ist es, sich als Medienkonsument auf den eigenen Wahrheitsglauben zu verlassen. Insbesondere dann, wenn der Medienkonsum auch der Unterhaltung und Entspannung dient.

Nachrichtenlagen sorgen für Irrationalität

Allerdings sorgt der Nachrichtenwettlauf der Redaktionen dazu, dass schlechte Nachrichten in den Medien wesentlich schneller und langlebiger transportiert werden. “Schlechte” Nachrichten bewegen die Menschen auch wesentlich stärker, als “gute” Nachrichten – die dazu im Gegensatz auch meistens nur als Lückenfüller herhalten. Das sorgt für kognitive Verwirrung, die bei den Medienkonsumten voreilige und falsche Schlussfolgerungen erzeugen. Was die Grundlage für Irrationalität ist.

Sachliche Aufklärung statt platte Propaganda

Für Steven Pinker erfordert es Disziplin, sich von erwiesenen Zahlen und Fakten leiten zu lassen. Mit einer sachlichen Medienkompetenz, deren Grundlagen bereits in der Grundschulen abgesteckt wird, kann auch eine zeitgerechte Aufklärung gelingen. Wenn Propaganda und “Fake-News” funktionieren, liegt es immer auch an einem falschen Medienkonsum. Sachliche Aufklärung hingegen muss sich jeder selbst erarbeiten.

FOTO: © Nghia Le – unsplash.com


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