Wenn die eigene Gehaltsvorstellung verunsichert

Wenn die eigene Gehaltsvorstellung verunsichert

Wer sich für einen Jobwechsel bewirbt, konzentriert sich hauptsächlich zu aller erst auf seine Bewerbungsunterlagen. Dabei fangen die wirklichen Probleme erst an, nachdem zu einem Vorstellungsgespräch geladen wurde. Spätestens dabei sollte nämlich mit der Gehaltsvorstellung herausgerückt werden – doch selbst die Höhe des eigenen Gehaltes richtig einzuschätzen, ist schwierig

Ein Dilemma: Wer zu viel Gehalt verlangt, gilt schnell als überschätzend und fällt aus der Vorauswahl. Und wer zu wenig fordert, erweckt Misstrauen und Zweifel an der eigenen Kompetenz.
Die „aussagekräftige“ Gehaltsvorstellung
Oft fordern Arbeitgeber bereits schon neben den ausführlichen Bewerbungsunterlagen eine “aussagekräftige Gehaltsvorstellung”. Ein Punkt, der sogar selbstbewusste Bewerber verunsichert. Denn Gehaltsvorstellungen beziffern ist alles andere als einfach; vor allem, wenn es um das eigene Gehalt geht. Fällt die eigene Gehaltsvorstellung zu hoch aus, gilt man leicht aus überheblich und fliegt schnell aus dem Bewerbungsprozess. Liegt der genannte Wert unter dem Durchschnitt, verkauft man sich unter Wert und öffnet der (Selbst-)Ausbeutung Tür und Tor.

Sich selbst einschätzen

Am besten ist es, sich vor einer Bewerbung Gedanken um die eigene Gehaltsvorstellung zu machen. Im Internet gibt es sogar Job-Plattformen, die bei der Ermittlung eigener Gehaltsvorstellungen behilflich sind und mit Selbsttests realistische Schätzungen bieten. Mittels mehrerer Fragebereiche lässt sich das eigene Gehaltsniveau optimal einschätzen.

Die eigene Qualifikation

Anfangen sollte man deshalb mit der eigenen Qualifikation. Wer nicht nur über eine ordentliche Berufsausbildung, sondern dazu auch noch über einen akademischen Abschluss verfügt, kann durchaus mit 35 Prozent mehr Gehalt rechnen, als Mitbewerber ohne Hoch- oder Fachschulqualifikation. Wichtig ist es dabei, immer auch die Berufsgruppe im Auge zu halten. Während Geisteswissenschaftler als Berufseinsteiger von einem jährlichen Gehalt von 34.000 Euro ausgehen können, verdienen Mediziner als Einsteiger bereits 55.000 Euro jährlich.

Anfänger und Seiteneinsteiger, mit oder ohne Berufserfahrung?

Bewerber, die für bestimmte Berufe als Berufsanfänger oder gar Quereinsteiger gelten, haben natürlich geringere Einstellungschancen als Mitbewerber, die über Berufserfahrungen verfügen. Manche Arbeitgeber spielen diese Unterschiede sogar aus, da für einige Positionen ein geringeres Gehalt wichtiger ist, als die vorausgesetzte Erfahrung. Bewerber sollten im Rahmen von Vorstellungsgesprächen aber durchaus auch Berufserfahrungen in gänzlich anderen Bereichen ansprechen.

Die Branche

Wichtiger Faktor ist auch die Branche, für die sich beworben wird. Jeder Branche verfügt über ein spezifisches Gehaltsniveau im Vergleich zum Durchschnittslohn aller Branchen. Der Durchschnittslohn bestimmter Branchen, wie der Finanzindustrie, liegt traditionell über diesem branchenweiten Durchschnittslohn, der anderer Branchen (Transport, Gastronomie, Dienstleistung) liegt zum Teil erheblich unter diesem Durchschnitt. Bewerber aus bestimmten Branchen kennen bereits diese spezifischen Unterschiede – oder können sich vorab bei Berufsverbänden und Gewerkschaften über bestimmte Unterschiede im Gehaltsniveau informieren.

Einschätzung der Gegenseite

Auch ein bedeutender Punkt zur Einschätzung der Gehaltsvorstellung ist die Gegenseite: nämlich die Unternehmensgröße und der Standort des Arbeitgebers, an dem wir unsere Bewerbung gerichtet haben. Gerade bei kleineren Firmen oder Start-ups ist mit ebenso kleineren Gehältern zu rechen. Wer sich aus Gehaltsgründen auf Bewerbungen bei größeren Unternehmen oder Konzernen beschränken will, sollte allerdings auch bedenken, bei kleineren Firmen eher aufzusteigen und umfangreichere Berufserfahrungen sammeln zu können. Hier gilt es abzuwägen. Schließlich spielt auch der Standort eine erhebliche Rolle. In ländlichen Räumen gibt es teilweise erhebliche Lohnunterschiede, allerdings andererseits auch geringere Miet- und Lebenshaltungskosten.

Schließlich: Soft Skills

Soft Skills lassen sich nur schwierig messen und einschätzen. Dennoch sind Qualifikationen wie Empathie, Führungsstärke, Begeisterungsfähigkeit oder soziale Kompetenz aber durchaus ähnlich wichtig, wie berufliche Qualifikationen oder Berufserfahrungen. Auch Arbeitgebern sind soziale und persönliche Fähigkeiten wichtig. Hier könnte das private Engagement, die Erfahrungen im Ehrenamt oder Verein, ausschlaggebend sein. Wichtig ist jedenfalls, dass die persönliche Gehaltsvorstellung auf einer ehrlichen Einschätzung zur eigenen Ausbildung, dem Können sowie seinen Fähigkeiten eingeschätzt wird. Alles andere ist Verhandlungssache.

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